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Baustein 4: Unheroische SA-Männer – Subtile Systemkritik?

Bausteine zur Interpretation von Fotografien im Geschichtsunterricht

Unser Blick auf das „Dritten Reich“ ist stark beeinflusst durch die Bilderflut der offiziellen NS-Propaganda. Die Bilder werden zwar heute in einem anderen Kontext präsentiert und in Schulbüchern auch durch die Texte erklärt, dennoch prägen ihre visuellen Propagandabotschaften immer noch unsere Wahrnehmung. Und gerade hier bieten sich Aufnahmen von Ignaz Böckenhoff zum Vergleich an, denn er orientiert sich an den ästhetischen Mitteln seiner Zeit, aber er spielt vielmehr mit ihnen und regt auf subtile Art und Weise zum Nachdenken an.

Möchten Sie den Baustein „Unheorische SA-Männer – Subtile Sytsmenkritik?“ als Arbeitsblatt herunterladen? Das PDF finden Sie hier (nicht barrierefrei).

Zugang/Methode: Dekonstruktion der ästhetischen Mittel der NS-Propaganda

Aufgaben:

  1. Recherchieren Sie, welche Rolle die Verwendung von chemischen Giftgasen im Ersten Weltkrieg spielte.

  2. Interpretieren Sie das Foto. Zeigen Sie dabei auf, welche ästhetischen Mittel der NS-Propaganda sichtbar werden und arbeiten Sie heraus, wie der Fotograf diese verwendete.

  3. Nehmen Sie Stellung zur These: „Unheroische SA-Männer – Subtile Systemkritik?“


Zusatzinformationen:

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) wurde zum ersten Mal Giftgas im großen Maßstab eingesetzt und Millionen von Soldaten fürchteten diese Waffe. Nur Gasmasken versprachen halbwegs Schutz. Zum Training der Soldaten gehörte die Bedienung – d.h. das richtige Aufsetzen – dieser Schutzmasken. Im „Dritten Reich“ waren diese Übungen Teil der paramilitärischen Ausbildung und sollten die SA-Männer auf einen späteren Front- oder Zivilschutzeinsatz vorbereiten.

Beobachtungen zu den Fotos:

Das Motiv entspricht ganz vordergründig dem bekannten Bildkanon der NS-Propagandadarstellungen: Männer in Uniform, die sich auf den Kriegseinsatz vorbereiten. Böckenhoff wählt auch die typische Untersichtperspektive, eigentlich ein Stilmittel zur Heroisierung der Abgebildeten. Doch hier werden die einfachen Nazis (SA-Männer) durch das Tragen der Masken zu einer buchstäblich gesichtslosen und leicht unsicher wirkenden Gruppe. Während der Ausbilder (links) noch militärisch streng in die Kamera blickt, steht die Gruppe nicht „stramm“ und der Mann in der Mitte greift sich sogar an die Maske, – sie scheint nicht richtig zu sitzen oder sie ist ihm zu unbequem.

Der Historiker Volker Jakob meint, dass die Aufnahmen Böckenshoffs die „existenzielle Bedrohung des Menschen durch Ideologien und Krieg“ zeigen. Zudem wird deutlich, dass Böckenhoff durch die Masken gerade Distanz zu den Dargestellten schafft. Indem er seine Raesfelder Mitbürger als anonyme Repräsentanten des NS-Systems darstellt, kritisiert er gleichsam auf subtile Weise das Herrschaftssystem.

Zu Baustein 5: Fotos vom Fronturlaub und Familieneporträts im Krieg