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Alles ein bisschen anders – Gesellenprüfung unter besonderen Bedingungen

Ein Beitrag von Sören Pinsdorf

Es ist Donnerstag, der 16. Juli 2020. Mein erster Monat als frisch gebackener Geselle beim LWL-Medienzentrum neigt sich allmählich dem Ende zu. Und wie auch die Monate zuvor habe ich die letzten Wochen überwiegend im Homeoffice verbracht.

Vieles ist dieses Jahr anders als sonst. Das neuartige Coronavirus hat unsere Welt auf den Kopf gestellt und dabei auch vor meiner Gesellenprüfung nicht halt gemacht. Umfangreiche Hygienemaßnahmen, Kontaktbeschränkungen und sich ständig ändernde Prüfungspläne haben mich und meine Mitschüler aus der Berufsschule in den letzten Wochen ziemlich auf Trab gehalten und auch auf die traditionelle Lossprechungsfeier mussten wir dieses Jahr leider verzichten.

Für mich hatte das vor allem viel Umplanung zur Folge. Angefangen mit meinem Freien Thema, für das ich ursprünglich eine Reportage über politisches Engagement fotografieren wollte. Ein Thema also, bei dem ich hauptsächlich mit Menschen, beziehungsweise sogar Menschengruppen gearbeitet hätte – in Corona-Zeiten kaum denkbar. Kurzfristig musste deshalb eine Alternative her und so habe ich mich dazu entschlossen, angelehnt an die Thematik „Corona“, eine Architekturserie umzusetzen, die sich mit der Entwicklung von Krankenhäusern in Europa beschäftigt. Dafür habe ich mir innerhalb von Münster mehrere Beispiele für Krankenhäuser aus verschiedenen Geschichtsepochen herausgesucht und diese fotografiert.

Neben dem Freien Thema gab es für mich noch zwei Pflichtthemen zu bearbeiten: Das erste Thema war eine Aufnahmeserie bestehend aus fünf Bildern zu meinem Ausbildungsschwerpunkt Industrie- und Architekturfotografie. Konkret sollte ich Fotos für eine Kfz-Werkstatt anfertigen, die für neue Flyer genutzt werden können.

Das zweite Pflichtthema konnte ich mir aus den drei anderen Schwerpunkten aussuchen. Ich habe mich für Porträt-fotografie entschieden – zwei Porträts für einen Garten- & Landschaftsbauer. Für die Umsetzung dieser Aufnahmen hatte ich insgesamt drei Wochen Zeit, was in Anbetracht der ursprünglich angedachten fünf Wochen schon ein sehr strammer Zeitplan war.

Außerdem fielen in diesen Zeitraum noch unsere Schriftliche Prüfung und die Arbeitsprobe. Bei der Arbeitsprobe musste ich innerhalb von 90 Minuten, in Anwesenheit eines Prüfers, eine Architekturaufnahme zum Thema „Offen/Geschlossen“ anfertigen und diese anschließend in der Postproduktion am Rechner aufbereiten. Aufgrund von Corona fand diese Arbeitsprobe erstmals auch für die Münsteraner Prüflinge in Dortmund statt, weshalb ich mir kurzfristig noch ein interessantes Gebäude in der Stadt suchen musste. Schlussendlich habe ich mich für die U-Bahn-Haltestelle Westfalenhallen U entschieden.

Trotz dieser erschwerten Bedingungen haben die meisten von uns eine hervorragende Prüfung abgelegt und dürfen sich jetzt zurecht ganz offiziell als Fotografen bezeichnen. Und die ausgefallene Lossprechungsfeier hat außerdem zu einer kleinen Premiere geführt. Dieses Jahr können nämlich alle Prüfungsstücke online auf einer eigens dafür angelegten Webseite, inklusive virtuellem Rundgang, betrachtet werden (fotografen-2020.squarespace.com). Auch bei uns treibt Covid-19 somit ein wenig die Digitalisierung voran.

Nun, knapp einen Monat später, habe ich jetzt also meinen Gesellenbrief mit einem exzellenten Prüfungsergebnis in der Hand und kann auf die letzten drei Jahre zurückblicken. Was mir dabei vor allem auffällt, ist, dass die Zeit wirklich wie im Flug vorübergegangen ist. Es kommt mir noch wie gestern vor, als ich das erste Mal unser Büro betreten habe – nur um dann gleich am ersten Tag mit meiner Ausbilderin Tuula Kainulainen und dem Mitauszubildenden Patrick zur ersten Dienstreise aufzubrechen.

Vieles habe ich seitdem erlebt und neu dazu gelernt. Habe viele Stunden auf Dienstreisen verbracht, ebenso wie mit der Postproduktion in unserem Büro oder in unserem Fotostudio. Ich habe mich über zahlreiche leckere Geburtstagsfrühstücke mit dem Team der Medienproduktion gefreut und mich mit Drucker- und Monitorkalibrierungen herumgeärgert. Und ich habe meine Leidenschaft insbesondere für die Reportage Fotografie entdeckt. Besonders prägend war beispielsweise meine Dienstreise nach Dortmund, bei der ich für unser Bildarchiv fünf Tage lang in kompletter Eigenregie den 37. Evangelischen Kirchentag dokumentiert habe. Durch solche und ähnliche Erfahrungen hat sich bei mir im Laufe meiner Ausbildungszeit klar der Wunsch gebildet, nach der Ausbildung im Bereich Fotojournalismus arbeiten zu wollen.

 Das kommende Jahr werde ich noch als Geselle beim LWL verbringen und auch dieses Jahr wird wohl alles ein wenig anders sein als üblich. Zum einen wird uns das Coronavirus noch eine Weile begleiten und somit auch Einfluss auf mein Gesellenprojekt haben, welchem ich mich in dieser Zeit widmen möchte. Und zum anderen soll ich für das kommende Jahr als Social-Media-Manager für unseren Instagram-Kanal fungieren, welcher bereits gestartet ist und in erster Linie von den Auszubildenden und mir als Gesellen betreut wird. Neben dem Gesellenprojekt kommen somit auch Produktionen speziell für unseren Onlineauftritt hinzu und natürlich bedeutet ein gut geführter Account auf Instagram und Co. auch einiges an Arbeitsaufwand.

Es bleibt also weiterhin spannend für mich und ich freue mich auf die kommenden Monate.

Nach meinem Gesellenjahr möchte ich mich dann ganz der Reportage Fotografie verschreiben – am liebsten angefangen mit einem Studium in Hannover im Bereich Fotojournalismus. Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Ganz sicher kann ich aber sagen, dass ich mit meiner Ausbildung hier im Medienzentrum das nötige Handwerkszeug dafür erlernt habe und bestens für alles gewappnet bin, was da noch kommen mag.

Porträt Sören Pinsdorf