Zeitreise durch westfälische Dörfer
LWL-Filmreihe „Dörfer in Westfalen. Gestern und heute.“ zeichnet ein facettenreiches Bild vom Wandel des dörflichen Lebens
Von Krämerläden als Treffpunkt und Pferdefuhrwerken auf unbefestigten Wegen bis hin zu Autos, Supermärkten und neuen Wohngebieten: Kaum ein westfälischer Lebensraum hat sich in den ver-gangenen Jahrzehnten so tiefgreifend verändert wie das Dorf. Die neue Filmreihe „Dörfer in Westfa-len. Gestern und heute.“ des LWL-Medienzentrums macht diesen Wandel sichtbar und erzählt zu-gleich von dem, was geblieben ist.
Dörfer waren über Jahrhunderte hinweg die prägende Siedlungsform in Westfalen-Lippe. Auch heute leben noch rund 3,2 Millionen Menschen, etwa 38 Prozent der westfälischen Bevölkerung, in dörflichen Strukturen. Doch die vertrauten Bilder verändern sich: Landwirtschaftliche Betriebe verschwinden, Einkaufsgewohnheiten und Arbeitswelten wandeln sich, und neue Mobilität prägen die Dorfgemeinschaft. Genau diesen tiefgreifenden Wandel zeigt Filmemacher Harald Sontowski in seiner dreiteiligen Dokumentarfilmreihe.
Auf Grundlage historischer Filmaufnahmen aus dem Filmarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen sowie aktuellen Interviews spannt die Reihe einen Bogen von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart. Als fachkundiger Begleiter der Reihe erläutert Dr. Christian Krajewski vom Geographischen Institut der Universität Münster die tiefgreifenden Veränderungen des Dorflebens. Zugleich zeigt er auf, welche Traditionen, Werte und gemeinschaftlichen Strukturen bis heute Bestand haben.
Die Premiere der Reihe fand Anfang April in Nottuln statt und inzwischen sind alle drei Folgen online abrufbar. Die drei jeweils rund 20-minütigen Episoden beleuchten exemplarisch unterschiedliche Facetten westfälischen Dorflebens:
Am Beispiel von Ergste zeigt die Reihe den Wandel von Landwirtschaft und Einzelhandel. Einst waren kleine Krämerläden zentrale Orte der Versorgung und des Austauschs, heute prägen neue Versorgungsstrukturen und veränderte Mobilität das dörfliche Leben.
Die Folge über Nottuln rückt das Zusammenspiel von lokalem Unternehmertum, Vereinsleben und Festkultur in den Mittelpunkt. Der Martinimarkt, seit Generationen ein wichtiger Treffpunkt, steht exemplarisch für gelebte Tradition und Gemeinschaft.
In Haaren stet schließlich der Wandel von Alltag, Mobilität und Infrastruktur im Mittelpunkt – von einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung mit Pferdefuhrwerken und einfachen Wegen bis hin zu motorisiertem Verkehr und moderner Anbindung. Die Folge erzählt davon, wie technische Entwicklungen das Leben und Arbeiten im Dorf nachhaltig verändert haben.
Ergste, Haaren und Nottuln stehen exemplarisch für die stille Revolution, die der ländliche Raum seit den 1950er-Jahren durchlaufen hat. Die Filmreihe beleuchtet diese Entwicklung ohne Nostalgie, aber mit viel Sympathie für die damaligen und die heutigen Bewohner westfälischer Dörfer.
Mit dieser Reihe würdigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nicht nur die Geschichte des ländlichen Raums, sondern auch seine fortwährende kulturelle Bedeutung. Denn die westfälischen Dörfer bleiben Orte des Zusammenhalts, der Erinnerung und des Wandels – lebendige Heimat in einer sich stetig verändernden Gegenwart.
Die Filme sind online auf der Website des LWL-Medienzentrums für Westfalen sowie auf dem YouTube-Kanal „Westfalen im Film“ abrufbar und laden dazu ein, die Entwicklungen des ländlichen Raums aus historischer Perspektive neu zu betrachten.