Des photos quotidiennes pour la région / Täglich Bilder fürs Revier
Eine LWL-Fotoausstellung im französischen Vincennes, vor den Toren von Paris
Als Kooperationsprojekt von LWL-Medienzentrum für Westfalen, LWL-Museumsamt und der LWL-Industriemuseum tourte die Fotoausstellung „Täglich Bilder fürs Revier“ mehr als zwei Jahre durch Westfalen-Lippe. Ihr großes internationales Finale feierte sie jüngst (23.04.-28.05.26) im französischen Vincennes, direkt vor den Toren von Paris.
Mit ihren ausdrucksstarken Schwarz-Weißen-Pressefotografien, die der Castrop-Rauxeler Fotograf Helmut Orwat seit den 1960er Jahren tagtäglich für die Ruhr Nachrichten fotografierte, überzeugte diese Fotoausstellung nun auch im Rahmen des kulturellen Austauschs der Städtepartnerschaft zwischen Castrop-Rauxel und Vincennes.
40 ausgewählte Fotografien aus dem pressefotografischen Lebenswerk Helmut Orwats, das mit mehreren tausend Motiven bereits als „Teil des fotografischen Erbes der Region“ im LWL-Medienzentrum für Westfalen archiviert ist, wurden in der städtischen Galerie Coeur de Ville im französischen Vincennes präsentiert. Das LWL-Kooperationstrio unter der Federführung des LWL-Medienzentrums unterstützte diesen internationalen Kulturaustausch in dem Bewusstsein, dass die Pflege und Bewahrung regionaler Identitäten im europäischen Kontext zu einer pluralistischen Identitätsstärke beiträgt – ganz im Sinne des europäischen Gedankens.
Nicht zum ersten Mal, aber gerade in diesem Jahr mit besonderer Freude, präsentierte das LWL-Medienzentrum ausgewählte Fotografien aus seinem Bildarchiv international. Denn 2026 wird insbesondere in Frankreich, dem Geburtsland der Fotografie, der 200. Geburtstag dieses Mediums begangen. Vor diesem Hintergrund war es für das westfälische Landesmedienzentrum eine Ehre, mit der Ausstellung „Des photos quotidiennes pour la région / Täglich Bilder fürs Revier“ einen eigenen Beitrag zur Mediengeschichte der Pressefotografie beisteuern zu können.
Seine erste Aufnahme fotografierte Helmut Orwat (*1938) als Jugendlicher und das sogar ohne eigenen Fotoapparat. Die Kamera, eine Kodak Retina, lieh er sich von seinem Bruder. „Damit habe ich dann meine erste Auszeichnung bei einem Fotowettbewerb erhalten“ erinnert sich Helmut Orwat, „das war damals der 3. Preis“. Dieser frühe Erfolg wurde für ihn zum entscheidenden Impuls und mündete schließlich in eine professionelle Karriere als Pressefotograf.
Gut 130 Jahre nach der Belichtung der ersten heute noch erhaltenen Fotografie im Jahr 1826 in Frankreich, begann damit für Helmut Orwat aus Castrop-Rauxel eine Leidenschaft und Liason mit der Fotografie, die viele Jahrzehnte andauern sollte. Als freiberuflicher Fotograf arbeitete Orwat nicht nur für die Ruhr Nachrichten, sondern auch für die WAZ, die Westfälische Rundschau, Mittag, Bild und die Welt am Sonntag. Tag für Tag fotografierte er Bilder fürs Revier. Auch das Kulturmagazin Westfalenspiegel belieferte er mit umfangreichen Fotostrecken und Reportagen. 1984 wechselte Orwat nach gut zwanzig Jahren freiberuflicher Pressefotografie in eine Festanstellung bei den Ruhr Nachrichten, denen er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 treu blieb.
Fotografiert hat Helmut Orwat stets in Schwarz-Weiß, denn dies war in jenen Jahren der Druckstandard der Zeitungen und Zeitschriften. Zugleich entsprach die kontrastreiche Schwarz-Weiß-Fotografie auch seinem persönlichen fotografischen Selbstverständnis.
Seine Aufnahmen zeigen typische Facetten des Lebens und Arbeitens im Ruhrgebiet während des Strukturwandels. Im Mittelpunkt stehen die Menschen „von nebenan“, festgehalten in ihrem Alltag: Erwachsene bei der Arbeit in der Industrie, im Handel und im Handwerk, Familien in ihrer Freizeit am Kanal oder auf dem Campingplatz sowie immer wieder Kinder bei Spielen und Beschäftigungen auf den Straßen des Reviers. Darüber hinaus dokumentierte Orwat in seinen Bildern die Veränderungen der Städte und Lebenswelten im Ruhrgebiet, die sich nicht allein durch den Strukturwandel, sondern auch durch den jeweiligen Zeitgeist vollzogen, was sich in der Architektur, in der Kleidung und in der Verkehrsinfrastruktur spiegelt.
Nachdem Helmut Orwat bereits 2023 seinen 85. Geburtstag in „seiner“ Fotoausstellung feiern konnte (damals die Sonderausstellung im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg) erfüllte sich nun ein lang gehegter Wunsch: die Präsentation seiner Arbeiten in der französischen Partnerstadt Castrop-Rauxels. Für den „Pressefotografen und alten Haudegen“ mit dem legendären fotografischen Arbeitsmotto, das er sogar als Autoaufkleber nutzte – „Bei Feuer, Unfall, Mord – Orwat kommt sofort!“ – stellt die internationale Ausstellungsstation in Vincennes einen besonderen Höhepunkt seiner Werkrezeption dar.
Auch das französische Publikum ließ nicht lange auf sich warten. Bereits während des Ausstellungsaufbaus in der Galerie Coeur de Ville entwickelten sich erste angeregte Gespräche über Orwarts Schwarz-Weiß-Fotografien, die sich auch nach der Ausstellungseröffnung fortsetzten.
Durch ihre Lage „im Herzen der Stadt“, in der zentralen architektonischen Mittelachse des futuristisch anmutenden Großgebäudes des französischen Architekten Henri Gaudin (1933 – 2021), stand die Ausstellung über sechs Wochen hinweg im Fokus der Bürgerinnen und Bürger von Vincennes. Umgeben von Mediathek, Stadtarchiv und Musikschule ist die Galerie Coeur de Ville in ein kulturelles Umfeld mit hoher Besucherfrequenz eingebettet.
Besondere Aufmerksamkeit zog zudem das Werbeplakat der Ausstellung auf sich, das seitlich vor dem Haupteingang in einer historischen Pariser Litfaßsäule, einer Colonne Morris aus dem 19. Jahrhundert, präsentiert wurde und dort die „Exposition des Photographies de Presse de Helmut Orwat – Le Quotidien d’une Région“ bewarb: eine ausgesprochen charmante Form der Werbung im 21. Jahrhundert.
Durch ihre Lage „im Herzen der Stadt“, in der zentralen architektonischen Mittelachse des futuristisch anmutenden Großgebäudes des französischen Architekten Henri Gaudin (1933 – 2021), stand die Ausstellung über sechs Wochen hinweg im Fokus der Bürgerinnen und Bürger von Vincennes. Umgeben von Mediathek, Stadtarchiv und Musikschule ist die Galerie Coeur de Ville in ein kulturelles Umfeld mit hoher Besucherfrequenz eingebettet.
Besondere Aufmerksamkeit zog zudem das Werbeplakat der Ausstellung auf sich, das seitlich vor dem Haupteingang in einer historischen Pariser Litfaßsäule, einer Colonne Morris aus dem 19. Jahrhundert, präsentiert wurde und dort die „Exposition des Photographies de Presse de Helmut Orwat – Le Quotidien d’une Région“ bewarb: eine ausgesprochen charmante Form der Werbung im 21. Jahrhundert.
Auch nach Beendigung der Wanderausstellungsreihe steht weiterhin der ausstellungsbegleitende Bildband zur Verfügung:
Täglich Bilder fürs Revier. Pressefotografien von Helmut Orwat 1960-1992
Gebunden, 22 x 26,5 cm
150 SW-Abbildungen im hochwertigen Duoton-Druck
Tecklenborg Verlag, Steinfurt, 2. Auflage, 2024
ISBN: 978-3-94907612-1
Preis: 24,80 €
Erhältlich direkt im Westfalen Medien Shop
sowie im örtlichen Buchhandel oder direkt beim Verlag.