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NRW-Exchange - Ein Fotografie-Praktikum im britischen Leeds

26.10.2026 Johanna Populoh

Kategorie: Aus der Medienproduktion

Schlagworte: Ausbildung · Fotografie

NRW-Exchange - Ein Fotografie-Praktikum im britischen Leeds

Über das Programm „NRW-Exchange“ der Landesregierung Düsseldorf hatte ich, Auszubildende Fotografin im LWL-Medienzentrum, im Mai 2026 die Möglichkeit, ein gefördertes Auslandspraktikum wahrzunehmen.

Dieses habe ich bei dem Fotografen Mark Wheelwright im Dockstreet Studio in Leeds, England, realisiert. Während meines vierwöchigen Aufenthalts konnte ich einen vielseitigen Einblick in die Arbeit eines selbstständigen britischen Fotografen erhalten und von einer großen Bandbreite an spannenden Projekten profitieren. Diese reichten von Social-Media-Inhalten über Event- und Portraitfotografie bis hin zu aufwendiger Bildbearbeitung.

In den ersten Tagen arbeitete ich intensiv in der Postproduktion. Für verschiedene Kunden bearbeitete ich Reproduktionsaufnahmen von Stoffmustern, passte Weißabgleich, Belichtung und Perspektiven an und retuschierte Staub, Fussel oder kleinere Bildfehler. Bei umfangreichen Produktaufnahmen für den Offroad-Ausrüster FALKN konnte ich lernen, Bildserien mithilfe von Camera Raw, Adobe Bridge und Photoshop an bestehende Bildstile anzupassen.

Ein weiterer Schwerpunkt meines Praktikums lag in der Zusammenarbeit mit dem Kunden Pivot Group, einem Träger inklusiver Förderschulen. Neben mehreren Besprechungen über eine geeignete Ordnerstruktur und die Verwaltung unterschiedlicher Bildrechte, begleiteten wir verschiedene Veranstaltungen fotografisch.

Besonders interessant war die Dokumentation eines Q&A (Question&Answer; dt.: Frage und Antwort – Interviewformat, bei welchem das Publikum Fragen stellen darf, auf welche der Interviewte antwortet) mit dem Rugbyspieler Eorl Crabtree. Aus Datenschutzgründen durften die Schüler:Innen nicht kenntlich abgelichtet werden, sodass wir genaue Vorgaben hatten, wie unsere Aufnahmen aufzubauen waren. Außerdem haben wir vorab eine Liste an Bildmotiven bekommen, welche wir nach dem Q&A innerhalb weniger Stunden für die online-Präsentation auswählen, bearbeiten und veröffentlichen mussten. Dadurch konnte ich lernen, auch unter hohem Zeitdruck strukturiert zu arbeiten und Bildauswahlen zielgerichtet nach einer vorgegebenen Shotlist zu treffen.

Regelmäßig durfte ich Mark außerdem bei seinen Headshot-Shootings begleiten. In ihnen fotografierte er Schauspieler:innen, Unternehmer:innen und andere Kund:innen für Bewerbungen, Websites oder Castings. Besonders beeindruckte mich seine Fähigkeit, sich individuell auf jede Person einzustellen. Je nach Verwendungszweck variierte er Lichtsetzung, Hintergrund, Perspektive und Bildwirkung. Während Schauspieler:innen etwa möglichst viele unterschiedliche Emotionen darstellen sollten, lag bei Businessportraits der Schwerpunkt auf Offenheit, Professionalität und Vertrauen. Nach einigen Shootings erhielt ich selbst die Möglichkeit, einzelne Aufnahmen zu übernehmen, die Models anzuleiten und zu lernen, wie wichtig eine angenehme Atmosphäre und eine gute Kommunikation für natürliche Porträts sind.

Ein absolutes Highlight war für mich die Gelegenheit, Konzertfotografie für das Kulturmagazin Leeds Living umzusetzen. So durfte ich The Handsome Family und The Hoosiers im Brudenell Social Club sowie Kiefer Sutherland in der O2 Academy Leeds fotografisch begleiten.

Dabei sammelte ich Erfahrungen im Fotograben großer Veranstaltungsorte und in der Arbeit mit wenig Licht. Zudem bestand die Schwierigkeit darin, innerhalb der ersten drei Songs möglichst vielseitige Bildserien zu erstellen. Dies ist die vorgegebene Zeit, die Fotograf:innen bei einem Konzert im Fotograben arbeiten dürfen.

Da Leeds durch Bus und Bahn hervorragende an seine Umgebung angeschlossen ist, nutzte ich meine Freizeit, um Yorkshire zu erkunden. So konnte ich neben einigen Tagestrips in die umliegenden Großstädte wie etwa Manchester oder Liverpool, auch englische Kleinstädte wie York oder Knaresborough besuchen und in die britische Kultur eintauchen. Als besonderes Reisehighlight wird mir mein Wochenendtrip nach Bridlington und zur benachbarten Küste Flamborough in Erinnerung bleiben, an der ich zwar aufgrund der Wolken den Sonnenaufgang nicht ganz einfangen, aber beeindruckende Klippen fotografieren konnte.

Rückblickend konnte ich in meinem Praktikum zahlreiche neue fotografische Bereiche kennenlernen und meine Kenntnisse insbesondere in der professionellen Bildbearbeitung, Porträt-, Produkt-, Reproduktions- und Konzertfotografie deutlich erweitern. Gleichzeitig erhielt ich einen realistischen Einblick in den Arbeitsalltag eines selbstständigen Fotografen. Besonders wertvoll waren für mich die enge Zusammenarbeit mit Kunden, das eigenverantwortliche Arbeiten an realen Projekten sowie die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und zunehmend selbstständig Aufgaben zu übernehmen. Insgesamt hat mir das Praktikum nicht nur fachlich viele neue Erfahrungen vermittelt, sondern auch gezeigt, wie abwechslungsreich, flexibel und kundenorientiert die Arbeit in einem professionellen Fotostudio sein kann.