Made in Westfalen
Die Geschichten hinter bekannten Marken
Wie wurde aus einer Detmolder Limonade die Marke Sinalco? Warum verkaufte ein Bocholter Fahrradhändler auch Nähmaschinen? Und weshalb änderte die Westfalen AG die Sprungrichtung ihres Logos? Die sechsteilige Filmreihe „Made in Westfalen“ erzählt die Geschichte bekannter Marken und der Familienunternehmen, die hinter ihnen stehen.
Viele Produkte, die heute selbstverständlich zum Alltag gehören, haben eine lange Geschichte. Einige davon beginnen in Westfalen. Die rund siebenminütigen Filme stellen sechs westfälische Familienunternehmen vor und zeigen, wie aus Ideen, technischen Entwicklungen und unternehmerischen Entscheidungen bekannte Marken wurden. Dafür verbindet die Reihe historische Filmaufnahmen aus dem Archiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen mit aktuellem Filmmaterial, Dokumenten aus Unternehmensarchiven und Gesprächen mit Menschen aus den Betrieben.
Im Mittelpunkt steht die Wirtschafts- und Alltagsgeschichte hinter den Produkten: Welche Probleme wollten Erfinder:innen lösen? Wie entwickelten sich kleine Betriebe weiter? Und welche Spuren haben die Unternehmen in der Region hinterlassen?
Wie aus einer Idee eine Filmreihe wurde
Der Gedanke, die Geschichten hinter bekannten westfälischen Marken filmisch zu erzählen, entstand im LWL-Medienzentrum für Westfalen. 2024 brachte die Dokumentarfilmerin Maria Anna Tappeiner eine ähnliche Idee ein. Daraus entwickelte sich das Konzept für „Made in Westfalen“: Bekannte Produkte dienen als Ausgangspunkt, um die Menschen, Erfindungen und Entscheidungen hinter den Unternehmen zu beleuchten. Die Stiftung Westfalen-Initiative unterstützt die Filmreihe als Kooperationspartner.
Tappeiner recherchierte die Unternehmensgeschichten, erarbeitete die Drehbücher und führte Regie. Bei ihren Besuchen in den Betrieben sprach sie mit Verantwortlichen und Mitarbeitenden und suchte nach Geschichten, die über die reine Firmengeschichte hinausgehen. Historische Aufnahmen und Archivdokumente ergänzte sie durch aktuelle Bilder aus den Unternehmen und Interviews. Anschauliche Aufnahmen und grafische Elemente helfen dabei, auch komplexe technische Abläufe verständlich zu machen.
Sechs Unternehmen, sechs Geschichten
Von der Bilz-Brause zu Sinalco
Die Geschichte von Sinalco beginnt 1902 in Detmold. Dort entwickelte Franz Hartmann ein alkoholfreies Fruchtgetränk, das zunächst „Bilz-Brause“ hieß. Nach einem Streit mit dem Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz, dessen Namen das Getränk zunächst trug, musste ein neuer Name her. Ein Zeitungswettbewerb brachte die Lösung: „Sinalco“, abgeleitet vom lateinischen sine alcohole – „ohne Alkohol“.
1987 wurde die Herstellung der Grundsubstanz in Detmold eingestellt, 1997 übernahm das Duisburger Familienunternehmen Hövelmann die Markenrechte. Der Film zeichnet den Weg von der regionalen Erfindung zur international bekannten Marke nach.
Fahrräder, Nähmaschinen und Versandhandel
Auch die Geschichte von ROSE Bikes beginnt in einem kleinen Betrieb. 1907 eröffnete Heinrich Rose in Bocholt ein Fahrradgeschäft. Um das Geschäft saisonal besser auszulasten, verkaufte er zeitweise auch Nähmaschinen. Später gewann der Versandhandel an Bedeutung: Über einen Katalog konnten Kundinnen und Kunden Fahrradteile bestellen. So entwickelte sich aus dem örtlichen Geschäft ein überregionaler Anbieter. Der Film zeigt den Weg von ROSE Bikes vom Fahrradhändler zum Fahrradhersteller.
Warum das weiße Pferd die Richtung wechselte
Die Westfalen AG wurde 1923 in Münster als Sauerstoffwerke AG gegründet. Das Unternehmen entwickelte sein Geschäft im Laufe der Zeit weiter und ist heute unter anderem in den Bereichen Industriegase, Energieversorgung und Mobilität tätig.
Auch das bekannte Firmenlogo hat eine eigene Geschichte. Das weiße Pferd auf rotem Grund sprang ursprünglich nach links. Im Jahr 2001 wurde die Richtung geändert, auf Anregung der Marketingabteilung. Das Pferd sollte an den Westfalen-Tankstellen nicht in die Straße hinein-, sondern aus ihr herausspringen.
Wie Technik die Landwirtschaft veränderte
Franz Claas war Landwirt und machte eine Ausbildung zum Tierheilpraktiker. Seine Begeisterung galt jedoch der Technik: Um 1900 entwickelte er erste Landmaschinen, darunter einen Strohbinder. Sein Sohn August gründete 1913 das Unternehmen Gebrüder Claas. Ein mehrfach patentierter Knoter zum Zusammenbinden von Strohballen wurde zum Markenzeichen. 1936 entwickelte das Unternehmen einen Mähdreschbinder, aus dem später der selbstfahrende Mähdrescher hervorging. Die Maschine vereinte Arbeitsschritte, die zuvor getrennt und überwiegend von Hand erledigt werden mussten – ein wichtiger Schritt in der Technologisierung der Landwirtschaft.
Vom Löschpapier zum Familienunternehmen
1908 suchte Melitta Bentz nach einer Möglichkeit, Kaffee ohne Kaffeesatz und bitteren Geschmack zu genießen. Sie verwendete Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes und eine durchlöcherte Blechdose, um den ersten Kaffeefilter zu entwickeln. Sie meldete ein Patent an und gründete mit ihrem Mann Hugo ein Unternehmen – zu einer Zeit, in der Frauen als Erfinderinnen und Unternehmerinnen längst nicht selbstverständlich waren. Die ersten Filter produzierten sie in ihrer Dresdner Wohnung, ihre Söhne lieferten sie selbst aus. Um die Kundschaft von der neuen Zubereitungsmethode zu überzeugen, wurde das Filtern in Haushaltsgeschäften vorgeführt. Mit dem Umzug nach Minden 1929 wuchs das Unternehmen, das bis heute Filterpapier produziert.
Ein Stecker seiner Zeit voraus
Schon Ende der 1990er-Jahre beschäftigte sich das sauerländische Familienunternehmen Mennekes mit Ladesteckern für Elektroautos. Gemeinsam mit Autoherstellern und Energieversorgern arbeitete es an deren Entwicklung und Normung. Doch die Batterietechnik war noch nicht ausgereift, und das Thema Elektromobilität geriet zunächst wieder in den Hintergrund. Als Elektroautos später an Bedeutung gewannen, konnte Mennekes auf jahrzehntelange Erfahrung mit robusten Industriesteckern zurückgreifen. Der entwickelte Typ-2-Stecker setzte sich als europäischer Ladestandard durch. Seine abgeflachte Seite erleichtert das richtige Einsetzen in die Ladebuchse. So wurde aus Erfahrung in der Industrietechnik eine Lösung für die Elektromobilität.
Wirtschafts- und Alltagsgeschichte im Film
Die sechs Filme zeigen unterschiedliche Wege, auf denen aus Ideen erfolgreiche Produkte und Unternehmen wurden. Sie erzählen von technischen Innovationen, Veränderungen im Handel und Entscheidungen, die den weiteren Weg einer Marke prägten. Zugleich machen sie deutlich, wie eng Unternehmensgeschichte mit dem Alltag und der Entwicklung einer Region verbunden ist.
Alle sechs Folgen von "Made in Westfalen" sind auf dem YouTube-Kanal „Westfalen im Film“ und auf der Website des LWL-Medienzentrums für Westfalen verfügbar.